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Doppelt hält besser

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Sonntag, 20.06.2010 (k) Sankt Petersburg
Der Blick aus dem Fenster bestätigt nur den Eindruck der Ohren, die Autoreifen auf nasser Straße vernommen haben. Kleine Regentropfen fallen aus dem grauen Himmel. So ein Mist – sind wir doch gestern die ganze Zeit ohne Foto herumgelaufen, und alles hat so schön in der Sonne geglänzt und sich vom blauen Himmel kontrastreich distanziert. Ich drehe gleich mal eine Runde um den Block, um die Lage zu analysieren, um Geld abzuheben und von der wirklich toll ausgestatteten Bäckerei ein Frühstück mitzubringen, bin ich nur teilerfolgreich. Es ist erst 8.00 Uhr. Früh öffnende Bäckereien gibt es wohl wirklich nur bei uns in Deutschland. Alles ist noch geschlossen.
So rollen wir also los in die Stadt – ich erinnere mich, dass auf dem Weg vom Bahnhof ein Café mit dem frevelhaften großen M gelegen war. Meine Erinnerung irrt nicht, und so gibt es zwei dicke Cappuccinos (die Rechtschreibprüfung schlägt tatsächlich Cappuccinos vor und kennt Cappuccini nicht, dann muss es das wohl geben, oder?) und eine Variation spezieller Frühstücksburger, die wirklich nichts mehr zu tun haben mit dem Fraß, den es in dieser Einrichtung noch vor einigen Jahren gab, als die Essiggurken ihren Weg zu den Wänden oder zur Decke fanden. Jetzt sollte man sich vielleicht noch mal über die ethischen Hintergründe der Kette informieren, um hier ruhigen Gewissens frühstücken zu können oder auch nicht. Denn preis-leistungsmäßig ist das eine echte Alternative. Der restliche Vormittag besteht aus Stadtbesichtigung. Einmal mehr ist das Fahrrad das optimale Mittel, um zügig überall hin und auch darüber hinaus zu kommen. Wir grasen also das historische Zentrum ab und knipsen ein paar Bildchen, die wir fast allesamt in einigen Stunden wieder löschen werden. Denn gegen Abend öffnet sich der Himmel und die Sonne tritt wieder hervor. Nach der Bierstubenpause mit Fußballfernsehen ziehen wir also nochmal los und sehen die imposantesten Gebäude in einem Licht, das es jedem Hobbyknipser einfach macht, ein gutes Bild zu schießen. Doppelt hält sowieso besser. Wir sind noch lange unterwegs und genießen mit den Menschen das Sommer-Lebensgefühl, das durch die langen Nächte hervorgerufen wird. Trotzdem sind wir fast wieder die ersten im Schlafsaal. Naja, Clubbing und Nightlife ist wie schon öfter erwähnt, nicht unseres. Diese Nacht ist allerdings etwas nerviger, denn wir sind nicht so müde und wachen daher wegen des extremen Schnarchers des dicken Franzosen ständig auf. Einschlafen ist auch nicht mehr möglich. Außerdem verstechen und Moskitos – klar, Sankt Petersburg wurde auf einem Sumpfgebiet errichtet. Die kleine Chinesin im Bett nebenan schluchzt irgendwann gegen Morgen verzweifelt und flüchtet in den Nebenschlafraum, wo ihre Freundinnen sind. Wir treten den Säger auf dem Weg zum Klo, rütteln an seinem Kissen. Doch die Phasen der Ruhe sind nur sehr kurz. Eigentlich ist es unverantwortlich, wenn man in diesem Zustand einen Schlafsaalplatz bucht. Es ist kein normales Schnarchen, es ist eine Mischung aus röcheln und dem Geräusch, wenn ein Motorrad durchs Zimmer fährt. Gegen fünf wollen wir fast aufstehen, leider ist uns nicht mehr eingefallen, dass die Brücken bis 4 hochgezogen sind, das hätten wir uns ansehen können, jetzt ist es zu spät. Der Säger erholt sich kurz von seinen ersten 100 Bäumen und es reicht, dass wir nochmal in einen zweistündigen Schlaf fallen können. Dann aber verlassen auch wir fluchtartig den Schlafsaal. Gelobt sei das Zelt!
Nach dem Frühstück in der Stadt geht Molle zurück zum Hostel und erledigt noch ein paar Dinge im Internet. Ich nutze das relativ gute Wetter und kaufe mir ein Ticket mit dem ich auf die Kuppel der Isaak-Kathedrale steigen kann. Von hier habe ich einen wunderschönen Blick über die Stadt und kann nochmal alles von oben nachvollziehen. Gegen 12 Uhr verlassen wir das Hostel und fahren über die Festung Peter und Paul hinüber zum Finnischen Bahnhof, vor dem eine Leninstatue steht, da dieser damals an diesem Bahnhof ankam, als er aus dem Exil zurückkam. Entsprechend kommunistischen Charme hat der Bau des Bahnhofs – von Neoklassizismus keine Spur mehr! Das Warten erleichtern wir uns mit einem Döner und Leute beobachten. Um 16.30 steigen wir in den Sibelius nach Finnland.

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