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Zwischen shiny und shabby – von Surfspots und Hundezucht

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Bis Santander dominierten große, weiße Strände die Küstenabschnitte. Laredo erinnerte uns in seiner Form an Vietnam mit den kilometerlangen Stränden im südlichen Teil, aber natürlich fehlte sonst alles, was Asien ausmacht.

Ein Bad im Atlantik war jedenfalls ein Muss – die Sonne knallte sowieso erbarmungslos vom Himmel und die Steigungen auf den Strecken zwischen den Buchten waren wie gewohnt fordernd. Immer wieder umfahren wir größere oder kleinere „Rias“. Einschnitte von Flüssen, die als niedrige Fjorde zum Meer hin breiter werden. Das Marschland ist von Ebbe und Flut geprägt. Als Naturschutzgebiete – oder auch so – bieten sie zahlreichen Vogelarten optimale Lebensbedingungen. Das große Ria de Escalante durchfahren wir auf einem kleinen Sträßchen, aber die Vögel sind gerade wohl Mittagessen.

Im weiteren Tagesverlauf fühlten wir uns wie daheim. Sieht aus, wie bei Missen! Doch halt – die grünen Hügel laufen aus und verwandeln sich am Ende in eine kleine Steilküste! Und schwupps, schon saßen wir im Sand an einem coolen Surferstrand! Die Gegend um Somo bietet tolle Surfmöglichkeiten, darauf deuten allein schon die Hinweise auf die Surfschulen und Surf-Hostels hin. Wir campten auf dem noch geöffneten Platz in Loredo und kamen am nächsten Morgen an einem legendär lässigen Café zum Frühstück vorbei. Auf dem Skateplatz nebenan übt ein deutscher Vater mit seinen Töchtern Tricks (wer gibt hier wem Tipps?) und der Lifestyle, der hier gelebt wird, ist mit Farbe auf Beton gesprayt.

Hin und wieder sehen wir hier Familien aus Deutschland oder der Schweiz mit schulfplichtigen Kindern. Auf Skate- und Surfboards, in Neoprenanzügen und immer mit Wohnmobil. Ob sie die Kinder selbst unterrichten zwischen dem Ansteuern der besten Surfspots? Ein paar Matheübungen auf dem Brett? Schon Wahnsinn, wie verschieden Kindheit verlaufen kann. Surfen und Yoga sind übrigens auch eine Verbindung eingegangen. Hier in den „Almen über Oyambre“:

Ein Boot bringt uns äußerst entspannt hinüber nach Santander, dessen „Skyline bei Gewitter“ wir gestern Abend bereits bewundern konnten.

Die Fahrt mitten hinein in die Stadt war im Grunde auch das Schönste an der Stadt. Die „Waterfront“ mit dem markanten Museumsbau des Centro Botin entworfen vom Architekten Renzo Piano und fertiggestellt im Jahr 2017 macht einiges her.

Wir lesen davon, dass man im Fischereihafen mittags toll Fisch essen kann, doch das Lokal, das wir wählen, übertrifft sich überhaupt nicht. Während Molle mit seinen gebratenen Sardinen noch einigermaßen zufrieden sein kann, fällt mir erstmal mein ganzer Semmel in die Fischsuppe (eine mehlige braune Brühe, die diesen Namen eigentlich nicht verdient), woraufhin diese schön auf meinem (gestern gewaschenen!) Trikot u. Radhose landet.

Naja, der Metallbottich ist leider so voll, dass das noch nicht gereicht hat, um die Suppe loszuwerden. Ich habe das Menu del Dia bestellt und als Hauptgang Merluza. Der Ober sagte, mit einer „Salsa“ … na, was assoziiert ihr so mit „Salsa“? Wahrscheinlich nicht eine eingedickte, braune Soße mit Dosenpilzen? Und schonmal ein Fisch-Cordonbleu gegessen? Der Merluza wurde tatsöchlich gefüllt mit Kochschinken und Ei. Ist wohl sogar ein offizielles Rezept. Ok. Ich bin ja nicht zimperlich und esse brav auf. Aber toll war das nicht. Ein Frevel! 

Um Santander noch genauer anzuschauen steuern wir den Campingplatz „Virgen del mar“ an. Er liegt 8 km nordwestlich an einer tollen Bucht. Der andere Camping näher am Zentrum ist leider bereits geschlossen. Es dauert, bis wir uns dorthin durchgekämpft haben, die Stadt liegt auf mehreren Längsrücken, die mit Hochhäusern bebaut sind und mit richtigen Tälern zwischen diesen Rücken. Nicht einfach zu beradeln und insgesamt eher nervig.

Dennoch fahren wir am Nachmittag ohne Gepäck noch einmal zurück in die Stadt – zum östlichen Cabo menor, einem Leuchtturm über Steilküste und zum großen Stadtstrand mit den aus der Zeit gefallenen Parks darüber zum Flanieren, die alle nach irgendeinem „Doctor“ benannt sind. Dazu passen die paar mondänen Hotels und Gebäude, die als Sommerresidenzen betuchter Genossen eine Rolle spielen.

Das ursprüngliche historische Zentrum Santanders fiel 1941 fast vollständig einem Großbrand zum Opfer, der Wiederaufbau veränderte das Gesicht der Stadt stark. Mit dem Fahrrad haben wir, bis wir zurück am Camping waren, die meisten Teile der Stadt gesehen. Interessant, könnte man sagen, aber keine Stadt, die uns in ihren Bann zieht. Alles wächst hier ineinander oder auseinander – ganz viele ländliche Grundstücke wie Gärten, bäuerliche, dörfliche Abschnitte finden sich gefühlt mitten in der Stadt – plötzlich kleine Baracken mit Hunden und verlottertem Aussehen oder Hundzuchtanlagen (sehr viele Hunde, sehr viel Gebell). Kurz hinter der Plattenbau-Agglomeration wird man sofort wieder mit extremer Ländlichkeit konfrontiert. Irgendwie seltsam. 

Der Sundowner in der Bucht bei der Eremitenkapelle der Meerjungfrau hingegen lässt den Besuch Santanders dennoch versöhnlich ausklingen:

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