Home Frankreich Always take the long way home

Always take the long way home

by admin
0 comment 5 mins read

Wie ihr wisst, sind wir seit (fast) jeher große Fans des Langsamreisens. Von daher ist der Weg nach Hause bei uns höchst selten ein schneller. Mindestens ein paar Tage lassen wir uns – je nach Entfernung natürlich – dafür Zeit. Ein großer Traum von mir war es, seit dem Entschluss, Weihnachten in Figueres zu verbringen, nach den Weihnachtsfeiertagen die wundervolle Strecke über das Cap de Creus nach Frankreich zu radeln. Schon 2008 waren wir diesen Weg entlang gekurbelt – es wurde also wieder mal Zeit. Doch würde das Wetter mitspielen?

Spätestens beim Frühstück war klar: Es würde! Die ersten Sonnenstrahlen tauten unsere Glieder auf, die auf dem Weg vom Camping bis zum Café bei 4°C doch ein bisschen murrten.

Im Tagesverlauf sollte es aber nur noch wärmer werden – ganz wie die Zwiebel auf dem Weg in die Pfanne, legten wir in der Folge im Anstieg Schicht um Schicht ab. Ein wahrer Traumtag von Roses über Port Selva, Llança und Portbou bis nach Cerbère.

Auch wenn es in den schattigen Passagen gleich wieder frisch wurde, es waren dennoch perfekte Bedinungen zum Radfahren. Der Verkehr war ruhig bis kaum vorhanden und so konnten wir die Küstenstraße Meter für Meter genießen. Vieles kam uns tatsächlich auch wieder bekannt vor, oft erkannten wir sogar die Stellen, an denen wir damals unsere Fotos geschossen hatten. Wir erzeugten sogleich die Edition 2022 :)

Dann ging alles plötzlich ganz schnell. In Portbou wollten wir für diesen Trip noch einen letzten Kaffee auf spanischem Boden trinken. Als ich aber auf Katrin wartete und die App der SNCF nach unserem Zug bis Montpellier befragte, waren dort viele rote Ausrufezeichen und das Wort „Personalmangel“ zu lesen. Wir beschlossen einen Zug früher zu nehmen, der allerdings schon in 50 Minuten den Bahnhof in Cerbère verlassen wollte. Wir ließen Kaffee Kaffee sein und pushten 200 Höhenmeter und acht Kilometer über den letzten kleinen Pass vor der französichen Grenze. In Cerbère angelangt, rauschten wir direkt in die Bahnhofshalle, wuchteten die Bikes durch die Unterführung und ließen uns erschöpft in die Sitze des TER fallen. Geschafft! Drei Stunden später sollten wir schon in Montpellier sein. Unterwegs drückten wir die Nasen an den Zugscheiben platt und erinnerten uns an die Etappe aus dem vergangenen September von Sète nach Agde. Jetzt ging es in die andere Richtung, ab nach Hause. Ein bisschen ungläubig schüttelten wir beim Anblick der untergehenden Sonne vor stahlblauem Himmer schon noch den Kopf. Warum nur fuhren wir zurück? Dazu mehr im nächsten Post.

Ein Abend und der nächste Vormittag blieben uns für Montpellier, genug Zeit für eine ausgiebige Runde mit dem Rad. Wir hatten einen „Moloch“ erwartet, fanden jedoch eine lebhafte Studentenstadt vor, die mit viel mehr Ruhe und Gelassenheit glänzte als wir erwartet hatten. Die Kneipen waren voll mit Studenten und wir probierten uns an belgischem Bier, das sehr gut, aber auch übelst mit Zucker durchsetzt sein kann. Letzters ist eigentlich an der himbeerroten Farbe gut erkennbar. Wenn es aber mal bestellt ist, ist es halt zu spät. Man lernt eben nie aus. Also: Sucrée heißt nicht ein bisschen süß, sondern Limo. Prost!

Der nächste Morgen war kalt, sehr kalt, aber wunderschön!

Als es gegen Mittag immer wolkiger wurde, verzupften wir uns in den TGV nach Mulhouse. In fünfeinhalb Stunden bretterten wir nahe an die deutsche Grenze. Eine Nacht auf französischem Boden gönnten wir uns aber noch, bevor es endgültig nach Hause ging. Mulhouse strahlte noch den ganzen Weihnachtskitsch aus, war ansonsten wie ausgestorben: kaum Menschen, viele Restaurants geschlossen. Unser Wunsch nach einem Glas Bier und einem ordentlichen Flammkuchen erfüllte sich dennoch. Viel braucht’s oft nicht für ein wohliges Glücksgefühl.

Am 29.12. hieß es dann: Noch ein schönes französisches Frühstück und ab in den TER nach Basel.

Von dort ging es über Friedrichshafen und Lindau in die Heimat. Mit gemischten Gefühlen radelten wir die gut zehn Kilometer von Immenstadt bis vor unsere Haustür. Dankbar, unglaublich coole, erlebnisreiche und stimmige drei Monate Rad-Reisen erlebt zu haben und ein bisschen traurig, dass sie schon wieder vorbei sind. Anyway: Viele, viele Monate Sabbatjahr liegen noch vor uns und wir hoffen, dass die Liste der coolen Reisen noch deutlich länger wird. Stay tuned!

You may also like

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Erlebnis zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich dagegen entscheiden, wenn Sie es wünschen. Verstanden Mehr